Philosophische Fragen

Philosophen stellen Fragen. Sie stellen diese Fragen aber in einer besonderen Art und Weise. Besonders ist vor allem die Radikalität der Fragen, wobei das im eigentlichen Wortsinne gemeint ist. Im lateinischen ist „radix“ die Wurzel. Das philosophische Fragen zielt also auf die Wurzel der Dinge, die nicht offen sichtbar ist. Man könnte auch sagen, philosophische Fragen gehen den Dingen auf den Grund.

philosophische Fragen

Die Philosophie als Grundlagenwissenschaft

Die Art des Fragens ist durch das Wesen der Philosophie selbst bedingt. Denn die Philosophie fragt nach den Grundbegriffen der Wissenschaften. Wenn also die Physik Kräfte und die darauf basierenden Bewegungen in der Zeit berechnet, setzt sie voraus, dass es Kraft, Bewegung und Zeit gibt und diese mathematisch beschreibbar sind. Die Philosophie dagegen fragt, was mit diesen Begriffen überhaupt gemeint sein kann, also was etwa Zeit ist.

Was sind philosophische Fragen?

Die Philosophie hinterfragt die Grundbegriffe der Wissenschaften aber immer zugleich auch ihre eigene Methodik.. Denn die Aufgabe, das zu tun, fällt der Philosophie selbst zu. Die Reflexion ihrer eigenen Grundbegriffe gehört also schon zur Philosophie. Martin Gessmann hat das in seinem Philosophischen Wörterbuch prägnant formuliert: „Die Frage, was Philosophie ist und wie sie zu betreiben ist, gehört bereits zur Philosophie: Sie kann also nur philosophisch beantwortet werden.“ 

Klassische Fragen der Philosophie

Die Philosophie als Liebe zur Weisheit, so die wörtliche Übersetzung des Begriffes „philosophia“ aus dem Griechischen, entfaltet sich daher in Fragen. Was für andere Wissenschaften undenkbar wäre, ist für die Philosophie essenziell: eindeutige Antworten kennt die Philosophie nicht. Ihr geht es mehr um die Frage als um die Antwort. Nicht aber, weil die Antwort uninteressant wäre, sondern weil es eindeutige Antworten auf viele Fragen der Philosophie nicht geben kann. So etwa auf die klassischen Fragen bei Immanuel Kant: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Dass es hier keine wirklichen Antworten geben kann, liegt an der Art des Fragens.

Philosophische Fragen beim platonischen Sokrates

Die Art des Fragens kann man sehr deutlich schon in den platonischen Dialogen aus dem vierten vorchristlichen Jahrhundert betrachten. Sie stehen am Beginn der westlichen Tradition des Philosophierens. Platon greift in ihnen die historische Figur des Sokrates auf.

Einer der ältesten Dialoge Platons ist die Verteidigungsrede des Sokrates. Um den delphischen Orakelspruch, er sei der weiseste Mensch, zu überprüfen, besucht Sokrates Repräsentanten verschiedener Berufsgruppen, um diese zu befragen. Sokrates kommt zum Ergebnis, dass diese auf keinen Fall weiser seien als er. Über seinen Gesprächspartner berichtet er:
„Denn es mag wohl eben keiner von uns beiden etwas Tüchtiges oder Sonderliches wissen; allein dieser meint etwas zu wissen, obwohl er nicht weiß, ich aber, wie ich eben nicht weiß, so meine ich es auch nicht. Ich scheine also um dieses Wenige doch weiser zu sei als er, dass ich, was ich nicht weiß, auch nicht glaube zu wissen.“ (Platon, Apologie 21d

Interessant daran ist, dass es hier ganz offensichtlich nicht darum geht, was jemand weiß und was zu wissen am wertvollsten ist. Sokrates fragt anders. Er fragt nach der Art des Wissens selbst, das seine Gesprächspartner haben und inwiefern sie dieses Wissen für sich reflektieren. Die Frage zielt also auf die Grundlage des Wissens und nicht auf den Inhalt des Wissens. Sie ist insofern in der oben genannten Weise radikal.

Radikale philosophische Fragen der Neuzeit

2000 Jahre später knüpft Hegel in der Phänomenologie des Geistes   direkt an diese Frage des Sokrates an. Der dialektische Fortschritt ergibt sich dort aus der Differenz des vermeintlichen Wissens zum tatsächlichen Wissen. Er führt dazu, dass alle Voraussetzungen des Wissens zu Bewusstsein gebracht werden, bis im Geist eine vollkommene Selbstdurchsichtigkeit erreicht wird.

Ein weiteres Beispiel für radikale Fragen ist die transzendentale Frage. Immanuel Kant untersucht damit in seiner Kritik der reinen Vernunft die Bedingungen der Möglichkeit der Erkenntnis. Auch das setzt eine Stufe tiefer an als die Naturwissenschaften, die erklären, wie wir etwas erkennen, wenn wir unsere Sinnesorgane und unseren Verstand gebrauchen. Kant fragt nicht nach deren Wirkungsweise, sondern nach den Voraussetzungen, dass es so etwas wie sinnliche Erkenntnis und Verstand überhaupt gibt. 

Die Radikalität des Fragens

Solches Fragen ist oft aufwühlend, weil es an den Grundfesten unseres Denkens rüttelt. Was für das Alltagsverständnis selbstverständlich und unhinterfragt ist, gerade dort fragt die Philosophie nach. Für sie gibt es nichts, was nicht hinterfragt werden kann, weil sie eben bis zur Wurzel geht. Zudem hat sie immer auch den Blick auf die Geschichte und die philosophische Tradition. Das relativiert manches. Was heute allgemein anerkannt ist, war zu anderen Zeiten neu oder auch verpönt.

Philosophische Fragen im Alltag

Voraussetzung für solches Fragen ist, dass die Philosophie sich eine  Distanz zum Alltagsgeschehen bewahrt ohne sich von diesem ganz abzukoppeln. Denn die Fragen, die die Philosophie stellt, ergeben sich aus dem Alltag bzw. beziehen sich auf diesen. Sie schwimmt aber nicht im Strom der Zeit mit, sondern betrachtet ihn nur. Sie reflektiert das Geschehen, ohne ins Handeln einzugreifen. Für sie sind die Fragen wichtiger als die Antworten, weil die Fragen neue Perspektiven eröffnen auf das, was um uns geschieht.

Philosophie ist unzeitgemäß

Der Philosoph steht dabei immer im Austausch mit den Denkern vergangener Tage und führt mit ihnen ein Gespräch über die Zeiten hinweg. Daher lebt er in gewisser Weise immer etwas außerhalb der Zeit. So kann sich Philosophie zu den Selbstverständlichkeiten der Gegenwart verhalten und diese hinterfragen, weil sie auf einen Schatz von Argumenten aus 2500 Jahren Philosophiegeschichte zurückgreifen kann. 

Hermeneutische Philosophie als Ausgangspunkt philosophischer Fragen

An diesen Argumenten aus der Vergangenheit hat die Philosophie allerdings kein historisches Interesse. Es geht ihr nicht darum deren Existenz in der Geschichte zu dokumentieren. Vielmehr geht es ihr darum, diese Argumente so zu erschließen, dass sie ein neues Licht auf die Gegenwart werfen können. Die Herausforderung dabei besteht darin, das überlieferte Denken so zu erschließen, dass wir es nicht vorschnell in unseren gewohnten Denkbahnen einordnen. Wichtig ist es vielmehr, das was für uns fremd ist, so stehenzulassen und auszuhalten. Die Aufgabe ist, es aus dem ursprünglichen Kontext heraus zu verstehen. Wie das gelingen kann, zeigt die philosophische Hermeneutik, die Hans-Georg Gadamer  im Anschluss an Martin Heidegger entwickelt hat.

Philosophische Fragen der Gegenwart

Wenn wir uns so auf das Fremde einlassen, können wir neue, ungewohnte Sichtweisen auf die Gegenwart zu gewinnen. Diese erlauben es dann wesentliche und radikale philosophische Fragen zu stellen. Wichtige philosophische Fragen der Gegenwart sind etwa die Frage nach der Technik in Zusammenhang mit der Erhaltung unserer Lebensgrundlagen.

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